0848 270 270

In letzter Zeit ist es in Unternehmen und Schulen in der Schweiz und auf der ganzen Welt vermehrt zu schweren Gewalttaten gekommen. Dabei sind diese Vorfälle, über die in Medien intensiv berichtet wird, selten und nur die extremste Form von Gewalt. Auch Gewaltandrohungen oder belästigendes Verhalten wie Stalking belasten die Betroffenen sehr und können zu erheblichen Einschränkungen im Berufs- und Privatleben führen.

Viele Unternehmen entwickeln spezielle Programme, um problematische Entwicklungen früh zu erkennen und zu bearbeiten, so dass sie gar nicht erst eskalieren. Dieser Ansatz wird als Bedrohungsmanagement bezeichnet und gehört klassisch in den Aufgabenbereich der Sicherheitsverantwortlichen im Betrieb. Zweck des Bedrohungsmanagement ist es, eine gemeinsame Kultur des Hinschauens zu schaffen und Verantwortung für sich und andere zu übernehmen.

Was ist Bedrohung/Gewalt?

Unter das Thema Gewalt fallen physische Gewalt sowie verbale Beleidigungen und Bedrohungen, die von Arbeitskollegen und Arbeitskolleginnen, Kunden, Lieferanten etc. gegenüber Personen bei der Arbeit ausgesprochen bzw. ausgeübt werden. Dabei wird die Gesundheit, Sicherheit oder Wohlbefinden der Beschäftigten gefährdet. Die Gewalt kann auch einen rassistischen oder sexuellen Aspekt haben.

Bei einer Bedrohung wird eine Gewalttat „nur“ in Aussicht gestellt. Dies löst Ängste aus und zwingt die betroffene Person zu einer Einschätzung des Gefahrenpotentials. Oftmals ist dies als Einzelperson jedoch sehr schwierig, da verschiedene Einflüsse auf die Gefährlichkeit einwirken, wie die Persönlichkeit des Drohenden und dessen Verhalten. Werden Drohungen am Arbeitsplatz ausgesprochen so gilt es diese als ernst zu nehmen und zu bearbeiten. Der Arbeitgeber ist verpflichtet in solchen Situationen den Schutz der Mitarbeitenden zu gewährleisten.
Wenn am Arbeitsplatz Gewalt angewendet wird, ist immer eine hohe Eskalationsstufe erreicht. Ausgangspunkt für gewaltnahe Situationen sind in der Regel zwischenmenschliche Konflikte. Gewaltanwendung stellt immer eine schwere Pflichtverletzung dar und bedingt in der Regeln den Einbezug einer Blaulicht-Organisation. Eine Übersicht zu den Tatbeständen gibt das Schweizer Strafgesetzbuch, Das StGB kennt verschiedene Offizialdelikte, die strafrechtlich verfolgt werden müssen, sobald die Polizei oder Justiz Kenntnis davon hat.

  • Sexuelle Nötigung (Art. 189 StGB)
  • Vergewaltigung (Art. 190 StGB)
  • Einfache Körperverletzung (Art. 123 StGB)
  • wiederholte Tätlichkeiten (Art. 126 Abs. 2 Bst. b und c StGB)
  • Drohung (Art. 180 Abs. 2 StGB)

Dazu kommen Antragsdelikte, die nur dann strafrechtlich verfolgt werden, wenn das Opfer einen formellen Strafantrag stellt. Das Opfer hat die Möglichkeit, die Strafanzeige zurückzuziehen.

  • Tätlichkeiten (Art. 126 StGB)
  • Hausfriedensbruch (Art. 186 StGB)
  • Sachbeschädigung (Art. 144 StGB)
  • Missbrauch der Fernmeldeanlage (Art. 179 StGB)

Die Erfahrung rund um Integritätsverletzungen bei der Arbeit zeigt, dass sich bedrängte Mitarbeitende in einer Zwangslage und zunehmend in einer Art “Dampfkochtopf” befinden. Aber das Ventil funktioniert nicht. Folge davon können Handgreiflichkeiten, innerer Rückzug, Spannungen im Team, Erkrankung, wild um sich schlagen, Whistleblowing oder sogar Amokläufe sein.

Was kann ich tun?

Holen Sie sich immer Hilfe, wenn Sie selber von Bedrohung oder Gewalt am Arbeitsplatz betroffen sind! Im Notfall wenden Sie sich sofort an ihre interne Notfallstelle im Betrieb oder direkt an die Polizei Tel. 117.

Holen Sie sich auch Hilfe, wenn Sie bedroht werden ohne dass eine akute Gefahr für Leib und Leben besteht. Jede Art von Drohungen soll ernst genommen werden. Reden Sie möglichst mit Ihren Vorgesetzten oder der für Sie zuständigen HR-Person oder lassen Sie sich extern beraten. Stellen Sie für sich Schutz her und fordern Sie dies bei Ihrem Arbeitgeber ein. Ziel ist eine realistische Einschätzung der Bedrohungslage für Betroffene als auch für das Unternehmen.

Wenn Sie Zeuge von Bedrohung und Gewalt werden, dann sprechen Sie die betroffene Person auf die Vorfälle an. Ermutigen Sie sie aktiv zu werden und sich gegen die Angriffe zu wehren. Unternehmen Sie nichts gegen den Willen der betroffenen Person. Wenn es zu einer Untersuchung der Vorwürfe kommt, können Sie sich als Zeuge zur Verfügung stellen. Reden Sie möglichst mit Ihren Vorgesetzten oder der für Sie zuständigen HR-Person, wenn Sie folgende Situationen antreffen:

  • Wenn Sie von Drohungen gegen andere hören
  • Wenn Sie oder eine andere Person von Stalking betroffen sind
  • Wenn Sie oder jemand in Ihrem Umfeld körperlich angegriffen wird
  • Wenn jemand Suizidgedanken äussert
  • Wenn Ihr Gefühl Ihnen sagt, dass ein Verhalten extrem auffällig und gefährlich sein könnte
  • Wenn Sie Waffen sehen oder in Ihrer Gegenwart von Waffen gesprochen wird
  • Wenn Sie von extremen Gewaltphantasien hören oder lesen

Wohin kann ich mich wenden?

Bei akuter Gefährdung für Leib und Leben: Informieren Sie den polizeilichen Notruf Tel. 117 oder ihre interne Notfallnummer im Betrieb.

Wenn Sie bedroht werden, aber keine akute Gefahr für Leib und Leben besteht:

Betriebsinterne Meldung
Falls möglich, wenden Sie sich zuerst an Ihren Vorgesetzen. Falls Sie dies nicht wünschen oder können, bieten Ihnen im Normalfall auch die Ansprechpersonen von Human Resources Unterstützung an. Personen im Betrieb sind dazu verpflichtet, ihre Meldung ernst zu nehmen und zu bearbeiten.

Vertrauliche Beratung (ohne Interventionspflicht)
Als externe Anlaufstelle für Verletzungen der persönlichen Integrität steht Ihnen die Mitarbeitendenberatung der Movis AG zur Verfügung. Melden Sie sich bei den Beratungspersonen, die für Ihr Unternehmen zuständig sind oder unter Telefon 0848 270 270 (24 Stunden / 7 Tage erreichbar).
Regionale Opferhilfe-Stellen bieten für Opfer von Gewalttaten Unterstützung und Beratung an.

Welche Konsequenzen hat Bedrohung/Gewalt?

Wer vor Angriffen auf seine Persönlichkeit nicht sicher ist, leidet psychisch und physisch und kann sein Leistungspotential nicht mehr ausschöpfen. Die Freude an der Arbeit geht verloren. Es entsteht Misstrauen gegenüber Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen. Die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit nehmen ab. Gesundheitliche Konsequenzen körperlicher und psychischer Art wie Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Rückenschmerzen, Margenbeschwerden, Depression, Gefühle von Ekel und Hilflosigkeit, Angst, hilflose Wut etc. machen sich bemerkbar.

Personen, die gegenüber Mitarbeitenden Gewalt androhen oder ausüben müssen mit Sanktionen durch den Arbeitgeber rechnen. Je nach Schweregrad der Verfehlung ist mit einem Verweis bis hin zur Entlassung und einem Eintrag in die Personalakte zu rechnen.

Wenn die betroffene Person Anzeige erstattet, ist mit strafrechtlichen Konsequenzen zu rechnen.

Personen, die Arbeitskollegen und Arbeitskolleginnen nachweislich und zu Unrecht der Gewaltausübung oder Drohung bezichtigen um ihnen bewusst Schaden zuzufügen, haben mit betrieblichen und ggf. strafrechtlichen Sanktionen zu rechnen.

Was sagt das Gesetz?

Strafgesetzbuch
OR Art. 328: Fürsorgepflicht
Die Arbeitgebenden haben im Arbeitsverhältnis die Persönlichkeit der Arbeitnehmenden zu achten und zu schützen, auf dessen Gesundheit gebührend Rücksicht zu nehmen und für die Wahrung der Sittlichkeit zu sorgen.

ArG Art.2: Gesundheitsschutz
Die Arbeitgebenden haben alle Massnahmen zu treffen, die nötig sind, um den Gesundheitsschutz zu wahren und zu verbessern und die physische und psychische Gesundheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu gewährleisten.

Erkundigen Sie sich, welche Personalreglemente bzw. Personalgesetze bei Ihnen im Betrieb gelten. Diese geben Auskunft über die betrieblichen Abläufe und Verhaltensregeln